Klopfers Blog
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© 2008 Christian Schmidt

Klopfers Weblog

Wieder was Neues

War mein größtes Problem bisher der Schnupfen, so ist es jetzt mein Husten. Ich hab inzwischen schon Bauchmuskelkater und bin hin- und hergerissen zwischen der Freude, bald wieder zu Hause meine Krankheit auskurieren zu können, und der Trauer, dass ich manche Dinge in Tokio wohl nicht mehr schaffen werd. Da es gestern aus diversen Gründen nicht mit einem Blogeintrag geklappt hat, gibt's heute dafür einen längeren.


Hello Kitty
Ein Hello Kitty Shop. Drei Stockwerke nur Hello Kitty, Cinnamonroll und seine Freunde sowie der kleine Shinkansen...


Am Samstag ging's zum zweitbelebtesten Bahnhof Tokios: Ikebukuro. Als ich am Bahnsteig stand, beobachtete ich wiederholt ein sehr merkwürdiges Verhalten, was mir wohl nie jemand schlüssig erklären kann: Die Japaner rennen wie die Blöden, um den Zug zu erreichen, schmeißen sich in die Tür und zwängen sich gerade so noch rein. Das könnte ich vielleicht noch verstehen, wenn der Zug nur alle halbe Stunde käme - aber die Yamanote fährt alle zwei bis drei Minuten.
Ikebukuro ist international nicht ganz so bekannt wie Shibuya und Shinjuku, was vielleicht daran liegt, dass es hier nicht unbedingt etwas Besonderes gibt: diverse Kaufhäuser, eine Art Vergnügungsmeile mit Spielhallen, Geschäften und vielen Leuten, die einem Werbung in die Hand drücken.


Jeans Shop
Wer würde da nicht gerne einkaufen?


Bei der Gelegenheit möchte ich auch noch etwas über japanische Kaufhäuser sagen. Ein Autor von Japan-Reiseführern meinte mal, in einem japanischen Kaufhaus könnte man alles finden. Das stimmt so nicht. Die meisten japanischen Kaufhäuser sind für Männer der wahre Horror. In den Untergeschossen gibt es immer Fressalien, dabei auch so schöne Sachen wie lebende Tintenfische. Im Erdgeschoss (in Japan immer gleichbedeutend mit der ersten Etage) findet frau Kosmetik und Accessoires. Die Stockwerke 2-4 sind nur für Frauenkleidung. Im 5. Stock finden auch die Männer was zum Anziehen, allerdings ist es nicht unüblich, dass hier auch noch etwas für die Frau zu finden ist. Der 6. Stock sind Kindersachen, Spielzeug und Frauenklamotten, im 7. gibt es Zeug für die Wohnung, eventuell etwas Sportzubehör und im Allgemeinen auch noch Kleidung für die Frau. Im 8. Stock sind dann Restaurants. (Die Etagennummern können natürlich von Kaufhaus zu Kaufhaus abweichen, Fakt ist aber, dass diese Dinger im Wesentlichen dazu da sind, Frauen einzukleiden.) Eine Elektronikabteilung gibt es in den meisten Kaufhäusern nicht.
Zum Glück gibt es Tokyu Hands, eine Kette von Kreativkaufhäusern, in denen man Spielzeug, Kostüme, Handyschmuck, Heimwerkermaterialien, Zeichen- und Designkram und so einiges mehr finden kann. Einige meiner schönsten und sinnlosesten Besitztümer stammen aus Tokyu Hands Kaufhäusern. Leider ist es immer schwierig, in Geschäften zu fotografieren.


Hard Gay
Hard Gay Spielzeug. Definitiv was für die ganze Familie.



Handtuch
Das Mopshandtuch ist zweifellos eine sehr praktische Erfindung. Man kann damit kuscheln, wenn man einsam ist, und man kann sich danach auch sauberwischen...



Taschentuch
Ich hab Taschentücher gefunden! Sie sind sogar aus deutscher Produktion, und man kann endlich mal der Mona Lisa seine innerste Zuneigung entgegenschnauben. Leider sind diese Taschentücher steinhart.


Ikebukuro ist stolz auf seine Sunshine City, ein wohlklingender Name für diverse Gebäude, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben und sich auch gar nicht ähnlich sehen. Das "Sunshine 60"-Hochhaus ist das höchste und bekannteste Gebäude der Sunshine--City. In seinem Inneren sind viele Restaurants, Klamotten- und Spielzeuggeschäfte untergebracht, außerdem wird an der Fassade ein "World Import Mart" angekündigt. Finden tut man da drin allerdings keinen Laden, den man wirklich sucht, hab ich feststellen müssen. Die Wegweiser haben da überhaupt nicht weitergeholfen.


Animate
Deswegen war ich eigentlich hier: Im Animate-Kaufhaus gibt's jede Menge Manga/Anime-Kram.



Sunshine 60
Das höchste Gebäude der Sunshine City. Allerdings ziemlich überbewertet.



Park
Das hier hat mir viel besser gefallen: ein kleiner Park daneben bietet ein wenig Ruhe und Erholung.


Jedenfalls machte ich in Ikebukuro einige Einkäufe, spendete etwas für die Erdbebenopfer in Niigata und machte mich wieder auf den Weg ins Hotel.

Heute war es dann an der Zeit für etwas Kultur. Im Yoyogi-Park liegt der Meiji-Schrein, den ich (wenn ich schon keine Zeit für einen richtigen Tempel hatte) besuchen wollte. Der Meiji-Kaiser war derjenige, in dessen Amtszeit der Untergang des Shogunats fiel und Japan den Anschluss an den Rest der Welt fand, um nicht kolonialisiert zu werden. So wurde zum Beispiel nach europäischem Vorbild die erste japanische Verfassung in Kraft gesetzt.
Der Kaiser starb 1912, seine Frau 1914, und 1920 wurde ihnen zu Ehren dieser Shinto-Schrein errichtet, in dem seitdem ihre sterblichen Überreste aufbewahrt werden. Das Schreingebäude wurde im Krieg zerstört und später neu erbaut, was touristisch gesehen wohl nicht die schlechteste Entscheidung war: Ich habe noch nie so viele Nichtjapaner auf einem Haufen in Tokio gesehen.


Torii
Solche Torii kennzeichnen den Eingang zu einem Schrein oder zu bestimmten Bereichen eines Schreins.



Schrein
Der Eingang zu dem Platz vor dem Haupt-Schreingebäude. Sonderlich religiös sieht keiner von den Leuten aus.



Sakura
Ich hatte es noch gar nicht erwähnt: Momentan ist die Kirschblüte, welche für Japaner sehr wichtig ist. Sie geht relativ schnell vorbei und ist daher sowohl ein Zeichen für Schönheit als auch für Vergänglichkeit. Substanzvolles bleibt von der ganzen Pracht nicht übrig, japanische Kirschbäume tragen keine genießbaren Früchte.



Hauptschreingebäude
In diesem Bau werden die Gebeine des Meiji-Kaisers und seiner Kaiserin aufbewahrt. Zutritt für Normalsterbliche verboten.



Miko
Drei Mikos im Gänsemarsch. Miko lässt sich nur schwer ins Deutsche übersetzen, Schreinjungfrau wäre eine Möglichkeit, allerdings müssen Mikos nicht unbedingt jungfräulich oder ledig sein. Sie haben sowohl rituelle als auch organisatorische Aufgaben, sind aber keine Priesterinnen.



Der Yoyogi-Park liegt am Bahnhof von Harajuku. Harajuku gilt als eines der hippen Modeviertel für Punks und Gothic Lolitas, inzwischen aber auch für Hip Hop. Die japanische Idee von Punk hat nicht viel mit Aussteigen oder Ablehnung von Kommerz zu tun. In japanischen Punk-Shops kann man Unsummen für seine Protestklamotten bezahlen, auch wenn das nicht überall so sein muss. Gothic Lolitas sind dagegen einfach Gruftiemädels, die sich in weite, ausladende Rüschenkleider schmeißen und mit "Lolita" so gar nichts zu tun haben. Hauptkonzentrationspunkt des ganzen Spektakels ist die Takeshita-Dori, eine kleine Fußgängerzone, deren Bedeutung man schon daran erkennt, dass sie einen Straßennamen hat, was in Tokio eine Seltenheit ist. Wenn man sich durch die Menschenmassen dort quetscht (in denen sowohl Punks als auch Gothic Lolitas die absolute Minderheit stellen) und die Geschäfte auch nur von außen anguckt, kriegt man schon einen ziemlich guten Eindruck davon, was bei Japans Jugend so angesagt ist.


Takeshita
Auf ins Getümmel!



Soxer
Ein Sockenladen. Und die Socken hatten weder ein Gesicht, noch haben sie gelächelt.



Nudy Boy
Harr...



Junk Jewels
Wenigstens ist man da ehrlich.



Wrestling
Einen Klamottenladen für zierliche japanische Mädchen SO zu nennen, kann auch nur einem Japaner einfallen, der einfach keine Ahnung von Englisch hat.



Ducks
Schon wieder eine Maßnahme gegen Vogelgrippe?


Am Bahnhof von Harajuku befindet sich auch eine kleine Brücke, von der es heißt, dass sich jeden Sonntag unzählige Cosplayer, Punks, Gothlolis und junge Bands dort versammeln, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. In Wirklichkeit ist das seit Jahren rückläufig, und die wenigen Verkleideten werden von der Zahl der Fotografen spielend um das Fünf- bis Zehnfache übertroffen.


Harajuku Brücke
Ich hab's geschafft, alle Cosplayer auf ein Bild zu bekommen. Alle 10 oder so...



Snoopy Town
Ein ganzer Snoopy Shop. Ich mag Snoopy nicht, aber den Menschenmassen nach zu urteilen lieben die Japaner diesen Beagle.


Nach dieser Ernüchterung ging es nach Shibuya. In Shibuya ist die berühmte große Kreuzung, über die bei einer Grünphase schätzungsweise einige hundert Leute marschieren. Um zu dieser Kreuzung zu gelangen, muss man den Bahnhof am Hachiko-Ausgang verlassen. Dieser Ausgang ist zu Ehren eines Hundes benannt, der sein Herrchen (einen Uniprofessor) jahrelang vom Bahnhof Shibuya abholte. Der Professor starb 1925, der Hund jedoch kam weitere 10 Jahre täglich zum Bahnhof und wartete auf sein Herrchen, bis er schließlich selbst aus dem Leben schied. Hachiko wurde zum Inbegriff des treuen Hundes und steht heute ausgestopft in einem Museum. Vor dem Bahnhof gibt es eine Statue von ihm, die eine Replik einer Figur darstellt, welche noch zu Hachikos Lebzeiten an dieser Stelle stand, im Krieg aber eingeschmolzen wurde.
Shibuya selbst ist wieder ein typisches Geflecht aus Kaufhäusern, Geschäften, Restaurants, kleineren Spielhallen und CD-Läden, gilt aber als jünger und moderner als Shinjuku.


Shibuya Eki
Hey, sie haben das Klopfer-Plakat abgenommen.



Hachiko
Der treue Hund. Wahrscheinlich war er aber auch ein bisschen dumm.



109
Das Shibuya-109-Kaufhaus besteht nur aus kleinen Modeläden für Mädchen. Am Eingang stehen oft Jungs rum, die auf ihre Freundinnen warten. Das kann allerdings lange dauern.



Kreuzung
Typisch Japan: Videowand, viel Werbung, jede Menge Menschen und irgendwo da vorn eine riesige Kreuzung.



McD
Wenn ich dort eine große Portion Pommes bestelle, was krieg ich dann? (Antwort: Auch nicht mehr als bei uns, aber mit ziemlicher Sicherheit versalzen.)
2.4.06 19:30
 




bisher 16 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mählle (2.4.06 19:53)
So, jetzt hinterlass ich auch mal einen Kommentar ^^
ZueErst auch von mir gute Besserung! Echt doof, dass dich die Erkältung ausgerechnet jetzt erwischen musste...
Zu deinen Beiträgen: Sehr schöne Fotos und, wie immer, sehr gut geschrieben
Wenn ich das allerdings alles so seh... Ich weiß nicht, ob ich da mal hin möchte... Das wäre sicher nichts für mich: Viel zu viele Leute, zu große Gebäude... Alles einfach viel zu viel... *Panik* Aber dir scheint's ja zu gefallen, das ist die Hauptsache
Und für was die alles Läden haben... Wahnsinn... Btw: Ich mag Snoopy, der ist doch knuffig ^^;;
Viiiiiiiele Grüße vom Schäfschn


Ronin (2.4.06 20:04)
Dort leben möchte ich auch nicht aber trotzdem würde ich Japan gerne mal erleben. ^^

Das ist wirklich wieder ein toller Reisebericht, der mein Japan-Bild ergänzt!

Aber warum muss dich ausgerechnet jetzt diese blöde Erkältung erwischen?

Ich wünsch dir immer noch gute Besserung und viel Spaß in Japan! ^^


Jerowski (2.4.06 21:23)
Ach, immerwieder schön wenn man deinen Blog liest.... Also ich finds ja ganz lustig...also Japan bzw Tokio... bzw dass was ich davon sehe. Aber ernsthaft längere Zeit da verleben? neee, lieber nich
Nja, weiterhin gute besserung (btw, dass Tatu ist doch auch zu schön zum reinschnupfen )
Hmm. Mein wort is "risin". Ob das ne umganssprachliches omen ist?


BadGirl_69 (2.4.06 22:13)
Uuuiii wieder sehr schöne Bilder *__* Mano ich will da auch mal hin ;__; Ich glaub das HelloKitty Kaufhaus hätte mir gefallen Ich find die so knuffig :P

Und sehr schöne Parks haben die da Da mag man gern mal in der Wiese sitzen dort ^_^

Ohh Kirschblüten *__* Ich find die so schön

Viel Spaß noch die letzten Tage Hasi *knuddel* Hoffentlich schaffst du noch alles, was du noch machen wolltest *daumen drück* ^_^


SaschaP / Website (3.4.06 04:39)
Oh, ein Hello Kitty Fan Willst nicht auch in den Hello Kitty Vergnügungspark?

Naja, ich frag mich nur: WO WOHNEN DIE JAPANER denn ? Tokyo hat doch angeblich 10 Mio. Einwohner, aber ich seh immer nur Einkaufszonen :D


Klopfer / Website (3.4.06 08:06)
Was wohl schlicht und einfach daran liegt, dass es für mich in Wohnvierteln nix zu tun gibt.


DannyC (3.4.06 09:15)
Wieder ein sehr schöner Eintrag (vor allem die Story mit über die Kaufhäuser :D ) und tolle Fotos Hasi *knuddel*
Auch von mir weiterhin gut Besserung, schade das du ausgerechnet jetzt krank wurdest
Ich fand die Geschichte von dem Hund ganz schlimm *schnueff*

Nya ich werd wohl eher nicht nach Tokyo fliegen, es ist mir da zu voll, zu gross und zu hektisch....

Viel Spass noch heute und einen guten Rückflug


Valerie (3.4.06 17:40)
Hmmm.... so langsam frag ich mich ja echt ob ich da mal zu nem Shopping Spree einfallen will. Scheinbar is ja fürs weibliche Geschlecht genug da. Kannste nich mal bissi was von den Klamotten zeigen (wenn du eh schon durchrennen mußt )


themuhkuh (3.4.06 22:46)
Bin ein bissel spät dran... aber mal wieder schöne Fotos, wollte schon immer mal die japanische Kirchblüte sehen. Wird ja in Mangas und Animes so hoch geprießen, jetzt weiss ich warum. *__*

Wer darf denn die Gebeine Meiji-Kaisers und seiner Kaiserin sehen, wenn nicht normal sterbliche ? O_o


Klopfer / Website (3.4.06 23:00)
@Valerie: Als so besonders hab ich die Klamotten gar nicht empfunden. In den Läden darf man aber sowieso nicht fotografieren, daher konnte ich da auch schlecht was knipsen. Und die Menschenmassen im Marsch waren sowieso schwer zu fotofieren.

@Muhkuh: Nur die Priester dürften die Gebeine wohl sehen.


Patrick (4.4.06 11:56)
Ich würde auch gern nach Japan...


Valerie (4.4.06 12:48)
Na ich denk für die Menschenmassen hatten die Japaner diese netten Käsemesser aus der Katanaa-Serie erfunden?!?


Mi-chan (6.7.06 21:54)
ich will auch nach Japan T.T
diese einkaufszentren, cosplayer, die menschen überhaupt...einfach geil *___*
villeicht seh ich auch noch 'n J-Rocker? *_____*
ich geh auf jedenfall mal hin...


bärni JJ1 / Website (26.10.06 18:54)
Wow! Kirschblüten!!!
Das heißt doch in Japan Hanami oder?
Steht zumindest in jedem Manga, den ich gelesen hab und in dem Kirschblüten vorkamen (also in den meisten) o(#^-^#)o
Kann mir jemand einen Shojo-Manga nennen in dem keine (Kirsch-)blüten vorkommen??


blah~ (30.11.06 14:07)
Ich beneide dich jah, dass du in Tokyo warst... *schmacht* Für mich bleibt das ein unerfüllbarer Traum... desswegen freu ich mich, dass es Leute gibt, die da hin können... ^^


andreas (30.11.06 22:02)
Die Pommes sind da auch versalzen?
Scheinbar ist Deutschland Salz-Feindlich...
Während meines Prag-Aufenthaltes war ich gtu 10 mal beim McDonalds (die ach so tolle tschechische Küche haben wir am ersten Abend getestet, ist leider im gegensatz zu allem andern in Prag scheisse teuer und schmeckt hauptsächlich nach Kotze. Oder riecht so. Aber niemals beides.) und das Zeug war auch Grundsätzlich versalzen und zwar tierisch...da haben einem die Finger von gebrannt wenn man die angefasst hat.

Auch Grundsätzlich war, dass mindestens der eine McDoof Hansel bei dem ich bestellen wollte kein Englisch konnte und mir auf einmal ein MaxiMenü für Umgerechnet 10 Euro andrehn wollte...auf meine Beschwerde hin meinte er, sein Fehler läg darin, dass da ja ein Salat und Muffin zugehöre....

Hab mich dann bei seiner Kollegin beschwert, da der Typ eindeutig dumm war. Mein Geld hab ich wiederbekommen, die dafür ihren Salat.
Den Muffin hab ich trotzdem gegessen -.-

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